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Jahresbrief von Martin Göttle

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

Die christliche Anthropologie lehrt uns, dass der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist: von Gott und für Gott geschaffen. In Gott ist unser Ursprung, unser Leben, unsere Zukunft und unser Sinn. Er ist uns Freund, Bruder, Vater, Mutter, Erlöser und Heiland. Wenn nun der Mensch seinen inneren und wesentlichen Bezug zu Gott verachtet, vergisst, verliert, entsteht eine Leere, die durch nichts anderes gefüllt werden kann. Nichts Materielles, nichts auf der Welt kann unsere innere Gottesleere füllen. Da kann der Mensch in seiner Verzweiflung habgierig und unersättlich werden.

 

Dies kann man tatsächlich und leibhaftig erleben, z. B. in unserer Gegend bei verschiedenen Landkonflikten. Es ist fast nicht nachzuvollziehen, wie sich reiche Großgrundbesitzer, die gar nicht von Landarbeit leben, mit armen indianischen Gemeinschaften, deren einzige Lebensgrundlage das Land ist, um Landbesitz streiten.

Als Beispiel möchte ich erzählen, was in unserer Pfarrei in den letzten Jahren im Weiler „Media Luna“ geschah, wo etwa 60 Familien einer Mapuchegemeinschaft daheim sind. Schon 2015 hat ein französischer Landeigentümer versucht, einen Teil einzuzäunen. Die Gemeinschaft errichtete eine Straßenblockade und verhinderte somit, dass die Lastwägen mit den Materialien an den Ort gelangten. Ihre Aktion zeigte Erfolg. Sie konnten eine vorläufige Einigung erreichen. 2017 hat ein anderer Privateigentümer, ein Rechtsanwalt aus dem 1.600 km entfernten Buenos Aires, seine Knechte beauftragt, die Weidetiere der Gemeinschaft zusammenzutreiben und in seine nahegelegene „estancia“ gebracht. Die Mapuchegemeinschaft hat daraufhin Anzeige erstattet. Verschiedene Gesprächsinstanzen vor der Staatsanwaltschaft führten zu keiner Einigung, bis nach drei Monaten eine Landdurchsuchung angeordnet wurde. Ein Sonderkommando der Polizei drang in den Großgrundbesitz ein und fand alle Weidetiere der Mapuche, Kühe, Kälber und Pferde, insgesamt 52 Tiere und gab sie ihren Besitzern zurück. Der Konflikt über den Besitz des Landes wird weiterhin vor Gericht verhandelt. 2018 folgte ein weiterer Konflikt, denn eine französische Landeigentümerin, die eine “estancia” gekauft hatte, wollte das Land der Mapuchegemeinschaft einzäunen. Eine vorläufige gerichtliche Verfügung ordnete Ende Mai 2018 an, die Einzäunung einzustellen, bis der eigentliche Landbesitz vor Gericht verhandelt wird. Es ist erschütternd, wie so eine kleine Gemeinschaft von nur etwa 60 Familien, von denen viele nicht einmal einen Grundschulabschluss haben, sich mit reichen, gut situierten und hoch studierten Großgrundbesitzern um ihre Lebensgrundlage streiten müssen.

 

Ich kann mir nur wünschen, dass an dem schönen Fest der Geburt Jesu Christi, des unendlich Großen und Reichen, der äußerst arm und schutzlos zu uns kommt, Gott unsere innere Leere mit seiner glücklich-machenden Gegenwart erfüllt, damit die Menschheit lernt, dass unser Sinn und Lebenserfüllung nicht mit materiellen Bereicherungen zunimmt, sondern eigentlich nur eines nötig ist, nämlich “mit Ihm, und in Ihm und durch Ihn” Christ zu sein.

 

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Fest der Geburt Jesu, sowie ein gute Neues Jahr. Besten Dank für Ihre Gebete und solidarische Gaben zur Unterstützung der Arbeit unserer Pfarrei.

 

Mit herzlichen Grüßen im Dezember 2018

 

Ihr Martin Göttle

Parroquia Ntra. Sra. de Las Coloradas

Q-8341 Las Coloradas

Pcia. de Neuquén / Argentinien